Astrid Lindgren, die Jahrhundertfrau

Mehr als Pippi, Michel und Karlsson vom Dach

Mit dem 20-Kronen-Schein wurde der Jahrhundertfrau und ihrem berühmtesten Kind ein Denkmal geschaffen.
Mit dem 20-Kronen-Schein wurde der Jahrhundertfrau und ihrem berühmtesten Kind ein Denkmal geschaffen.

Eigentlich ... fände heute Nachmittag im Lindenthaler Wohnstift St. Anna eine Lesung statt mit dem Titel „Astrid Lindgren, die Jahrhundertfrau – Mehr als Pippi, Michel und Karlsson vom Dach“.

Den meisten Menschen ist Astrid Lindgren in erster Linie als die Schöpferin von Pippi Langstrumpf bekannt, des frechen und unkonventionell lebenden Mädchens mit den roten, abstehenden Zöpfen.

Lindgren, 1907 im von ihr so beschriebenen „Pferdezeitalter“ im ländlichen Schweden geboren, und 2002 gestorben, hat nicht nur fast genau das 20. Jahrhundert mit all seinen rasanten Entwicklungen und beiden Weltkriegen miterlebt, sondern war auch eine intelligente, genau beobachtende und urteilende sowie sich kritisch äußernde Zeitgenossin.

Erst vor wenigen Jahren wurden ihre Kriegstagebücher mit dem Titel „Die Menschheit hat den Verstand verloren“ veröffentlicht, die sie seit Beginn des Zweiten Weltkriegs geführt hatte, und in die sie außer sehr persönlichen Eintragungen zahlreiche Dokumente zum Kriegsgeschehen aus schwedischen und deutsch-kritischen Zeitungen eingeklebt hat. Tiefe Einblicke in das Kriegsgeschehen hatte sie auch über ihren verpflichtenden Job bei der Postzensurbehörde, wo sie Briefe öffnen und lesen musste, die Informationen enthielten, die sie über die wahren Grausamkeiten des Kriegs unterrichteten.

 Pippi Langstrumpf ist übrigens in den Kriegsjahren entstanden: Lindgrens Tochter Karin lag krank im Bett und gab der Mutter die Aufgabe, eine Geschichte zu dem von ihr erfundenen Namen zu erfinden. Aufgeschrieben hat Lindgren die Geschichten, die sie bisher nur erzählt hatte, dann im Jahr 1944, als sie selbst mit einem verstauchten Fuß zuhause bleiben musste. Dass das der Anfang einer sensationell erfolgreichen schriftstellerischen Laufbahn werden würde, hatte sie damals nicht ahnen können. Denn obwohl sie als Schülerin immer gute Noten für ihre Aufsätze bekommen hatte, hatte sie sich entgegen den Voraussagen von Lehrern und Mitschülern geschworen, niemals Schriftstellerin zu werden.

Durch die Popularität, die sie mit ihren zahlreichen Kinderbüchern erreicht hatte, konnte sie sogar politischen Einfluss nehmen: Ein schwedisches Tierschutzgesetz wurde auf ihr publizistisches Eingreifen hin erst verabschiedet. 1978 erhielt sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, und ihre immer noch aktuelle Botschaft ihrer Dankesrede zum Umgang mit Kindern trug den Aufruf an alle Erziehenden „Niemals Gewalt!“

 

Lesetipps:

  •  Astrid Lindgren: Die Menschheit hat den Verstand verloren, Tagebücher 1939 -1945, aus dem Schwedischen von Angelika Kutsch und Gabriele Haefs, Ullstein
  • Astrid Lindgren: Das entschwundene Land, Deutsch von Anna-Liese Kornitzky, Oetinger
  • Sybil Gräfin Schönfeldt: Astrid Lindgren, Erinnerungen an eine Jahrhundertfrau, ebersbach & simon
  • https://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/445722/?aid=537296

 Ein Beitrag von Angelika Fürst


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