Bonhoeffer - die letzte Stufe

"Das ist das Ende - für mich der Beginn des Lebens"

Foto: Detailaufnahme vom Ökumenekreuz von Raphael Seitz, © Matthias Biegel
Foto: Detailaufnahme vom Ökumenekreuz von Raphael Seitz, © Matthias Biegel

Eigentlich ... sollte heute im frühchristlichen Baptisterium am Kölner Dom im Rahmen einer ökumenischen Gesprächsreihe der Film „Bonhoeffer - die letzte Stufe“ gezeigt werden.

Dietrich Bonhoeffers 75. Todestag am 9. April 2020 fällt genau auf Gründonnerstag, den Beginn der drei österlichen Tage vom Leiden und Sterben, von der Grabesruhe und der Auferstehung Jesu Christi. Wegen der Corona Pandemie musste eine digitale Lösung gefunden werden…

Der Film „Bonhoeffer – Die letzte Stufe“ kann online über die Medienzentrale des Erzbistum Köln  und das dort vorgesehene Anmeldeverfahren heruntergeladen werden

 

An dieser Stelle ist weder eine Besprechung des Films, noch die Darstellung wichtiger Stationen des Lebenswegs Dietrich Bonhoeffers beabsichtigt.

 

Es folgen lediglich einige nachdenkliche Impulse:

Grabmal der Familie Bonhoeffer: In der Kirche St. Michael in Schwäbisch Hall, Foto (c): A. Fürst
Grabmal der Familie Bonhoeffer: In der Kirche St. Michael in Schwäbisch Hall, Foto (c): A. Fürst

Bonhoeffer, der tiefgründig über Gemeinschaft nachgedacht (Dissertation), über ihre spirituelle Dimension geschrieben (die so inspirierende Schrift „Gemeinsames Leben“) und Communio gelebt hat (das klösterliche Experiment des Predigerseminars in Finkenwalde), verbrachte ab April 1943 in winzigen Gefängnis-Zellen auf sich geworfen die beiden letzten Jahre seines Lebens. Die Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, die sein Freund Eberhard Bethge postum veröffentlicht hat („Widerstand und Ergebung“), enthalten Gedanken und Worte, die gerade in Zeiten existentieller Not Hilfe und Stütze sein können.


„Wer bin ich?“ fragt er sich: „Sie sagen mir oft, ich träte aus meiner Zelle gelassen und heiter und fest wie ein Gutsherr aus seinem Schloß…Sie sagen mir auch ich trüge die Tage des Unglücks gleichmütig, lächelnd und stolz, wie einer, der Siegen gewohnt ist.“ Jedoch, Ölberg-Fragen steigen in ihm auf: „Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß? Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig, ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle, hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen, dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe, zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung, ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne, müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen, matt und breit, von allem Abschied zu nehmen?“ Und schließlich Karfreitags-Worte (vgl. Lk 23,46; Ps 139) „Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“

Worin findet er Halt? Er, der 1929 noch in einem Vortrag Krieg als gerechtfertigtes Mittel verteidigte, gelangt dann aber durch das Lesen der Bergpredigt mit den Augen des Glaubens zu der Überzeugung, „[dass] aus dem Gehorsam gegen das uns heute treffende Gebot Gottes, [] Krieg nicht mehr sein soll…“. Es ging Bonhoeffer um eine internationale Friedensordnung im umfassenden Sinn des Wortes, die heute und erst recht nach dem erhofften Ende der Corona-Pandemie nötiger sein wird denn je. Bonhoeffer wurde es zur Gewissheit, dass „Kämpfe [] nicht mit Waffen gewonnen [werden], sondern mit Gott werden sie auch dort noch gewonnen, wo der Weg ans Kreuz führt.“ Wie mir scheint, waren es die in der Bergpredigt gründende und von ihm geübte und geforderte aktive Gewaltfreiheit als Lebensstil sowie als politische und kirchliche Leitlinie, die Bonhoeffer dazu disponierte, Täter der Botschaft Jesu zu sein und dafür „hin zu stehen“. Dass dies die Konsequenz sein könnte, erwog er schon 1934: „Und ich glaube, die ganze Christenheit muss mit uns darum beten, dass das ´Widerstehen bis aufs Blut` kommt und dass Menschen gefunden werden, die es erleiden.“ So stand er selbst dafür ein, dass das Richtige auch vollbracht sein will (vgl. Joh 19,30). Dass Bonhoeffer „die letzte Stufe“ im Lichte von Ostern gegangen ist, lässt sich seinen letzten Worten entnehmen: „Das ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens.

Ein Beitrag von Rainer Will


Die Medienzentrale des Erzbistums Köln ist online für alle Interessierten zugänglich!

Matthias Ganter schreibt dazu:

Für die Zeit bis wieder "Normalität" eintritt, haben wir ein Angebot auf der Website der Medienzentrale zusammengestellt, das Online-Filme empfiehlt und Methodentipps zum Selbst-Kreativ-Werden bietet.

 

 

 

Foto links: Website Medienzentrale
Foto Teaser:
Bundesarchiv Bild 183-R0211-316, Dietrich Bonhoeffer mit Schülern



Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Bammatter Andreas (Freitag, 10 April 2020 06:28)

    Dietrich Bonnhoeffer, ein wunderbarer Mensch....darf uns auch in dieser Zeit der Abschottung "näher kommen".

    Danke für euer Angebot über diesen Weg den Zugang zu ermöglichen.

    Frohe und gesegnete Ostertage - Andreas Bammatter, Allschwil, Schweiz

Mit einem RSS-Reader in Ihrem Browser  können Sie diesen Blog  abonnieren.  Im Browser wird dann jeweils angezeigt, wenn sich in diesem Blog etwas getan hat. Kopieren Sie dazu diese URL in Ihren RSS-Reader: https://eigentlich.koeln/rss/blog/     

In vielen Browsern ist ein RSS-Reader bereits integriert oder kann als kostenfreie Erweiterung heruntergeladen werden.

Wir empfehlen z.B. Feedbro Reader für >>> Firefox oder für >>> Chrome.