Bei uns wird Spielzeug niemals kalt

Eltern-Kind-Kurse sind ein Gewinn für Groß und Klein

Foto (c) Elke Moorkamp
Foto (c) Elke Moorkamp

Eigentlich... sollten auch in dieser Woche 15 verschiedene Eltern-Kind-Kurse stattfinden, doch die beiden Kursräume in der OT St. Anna in Köln-Neuehrenfeld sind sonnendurchflutet und menschenleer.

Eigentlich… wird das Spielzeug bei uns niemals kalt.

Kinder im 1., 2., aber auch im 3. Lebensjahr besuchen regelmässig einmal wöchentlich unsere Gruppen. Hier werden erste Kontakte mit Gleichaltrigen geknüpft, hier wird gespielt, gesungen und gefeiert.

Mehr als 120 Mütter und Väter nutzen mit ihren Babys und Kleinkindern (eigentlich) auch in diesem Halbjahr das seit über 30 Jahren bestehende Angebot der Kirchengemeinde, die von jeher Menschen mit Kindern im Blick hat.

Genauso lange dabei ist das Katholische Bildungswerk, das uns als Träger verlässlich zur Seite steht und uns als Referentinnen auch in dieser außergewöhnlichen Situation entschieden und kompetent unterstützt.

 

Inhaltliche Orientierung für unsere Arbeit bietet uns die Kleinkind-Pädagogik der ungarischen Kinderärztin Emmi Pikler (1902-1984), die durch und durch geprägt ist vom respektvollen und achtsamen Umgang vom ersten Lebensmoment an. So finden unsere kleinen Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine einladende vorbereitete Spielumgebung, die dem jeweiligen Alter und motorischen Bedürfnissen und Fähigkeiten entspricht. Hier darf ungestört entdeckt und gespielt werden, wobei wir als Leiterinnen immer wieder gemeinsam mit den Eltern staunen, mit welcher Hingabe und Ausdauer unsere kleinen Gäste ihren jeweiligen Beschäftigungen nachgehen. Werden Mama oder Papa doch einmal gebraucht, so sind sie immer in sicherer Nähe.

Getreu der Erkenntnis „Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht“ geht es im Eltern-Kind-Kurs nach Emmi Pikler weder um Üben und Trainieren noch um Vergleichen und Verbessern. Wir freuen uns über alle kleinen Entwicklungsschritte, die unsere Kinder ungestört und selbstständig in ihrem jeweils eigenen Tempo vollziehen dürfen. Der Stolz und die Würde eines Kleinkindes, das sich zum ersten Male ganz von sich aus in aller Ruhe aufgesetzt hat, sind unbeschreiblich.

 „Schön, dass du da bist, wir freuen uns.“ „Ich sehe dich“. „Ich nehme dich wahr“. „Du bist genau richtig.“  „Du darfst auch weinen und wütend und traurig sein, oder einfach nur müde.“  „Ich bin da, wenn du meine Hilfe benötigst.“

Mit dieser Haltung möchten wir Babys und Kleinkindern in unseren Gruppen begegnen. Diese Haltung mag auch eine wohltuende Erfahrung  für Erwachsene sein.

 Ein Beitrag von Birgit Aachen-Jünger • Julia Köster • Jenny Lange • Sabine Lohr


Foto (c) Bechtloff
Foto (c) Bechtloff

Ich kann hier so sein wie ich bin. Ich fühle mich angenommen und kann ankommen in meiner Rolle als Mutter, aber auch als Mensch. Ich profitiere vom Austausch mit den anderen Eltern und erfreue mich jedesmal, wie sehr mein Rey sich freut unter den Kindern zu sein und aufblüht. Hier ist er von Klein auf und lag am Anfang nur auf dem Rücken als kleines Minibaby. Jetzt klettert und rutscht er voller Freude. Ein sicherer Ort für uns beide. Dank Birgit und ihrer besonnenen Art und Gespür, wann welche Themen passen und besprochen werden können.

 

Svenja mit Rey

 

Foto (c) Bechtloff
Foto (c) Bechtloff

 

Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens, des öffentlichen Miteinanders gelten erst relativ kurz und doch scheint die Welt schon eine Ewigkeit stillzustehen. Wobei: Im Leben mit Kindern kann die Welt doch gar nicht so recht stillstehen. Und dennoch fehlt etwas.

Kontaktverbot, das heißt auch, dass Kinder in Kursen und Angeboten das soziale Miteinander nicht mehr erproben und erfahren können. Insbesondere das Ausprobieren in geschütztem Rahmen, ohne tiefgreifende Interventionen der Erwachsenen, ist für die Kleinsten doch so elementar. Die Welt spüren, Reaktion und Wirkung erleben. All das ist derzeit auf ein Minimum und vor allem den häuslichen Rahmen begrenzt. Die Kinder, die so unschuldig an dieser Welt und damit auch dieser Krise sind, leiden derzeit.

Doch auch für Eltern war das wöchentliche Treffen ein Ort des Austauschs. Vor allem für mich als Vater galt es in der ersten Phase meiner einjährigen Elternzeit, Sicherheit in der neuen Rolle zu erlangen. Sicherheit, die im Kurskontext und dem Zusammenspiel von Eltern, Kindern, Kursleitung und der Selbstreflektion gefunden werden konnte. Sicherheit, die angesichts der momentanen Situation an allen Ecken und Enden fehlt.

 

Jerome mit Luise

Normalerweise freuen wir uns auf den Montagmorgen. Denn dann heißt es: Zeit für die Pikler-Gruppe. Zeit für die Eltern, sich beim Kaffee über die schönen, aber auch schwierigen Momente im Babyalltag auszutauschen. Zeit für die Kleinen, neues Spielzeug und neue Freunde selbständig zu entdecken. Wir vermissen die entspannte Runde, in der wir viel gelernt und viel Unterstützung erfahren haben. Hoffentlich wird der Montag bald wieder ein besonderer Tag.

 

 Carolin mit Luis

 

 

 

 

Foto (c) Elke Moorkamp
Foto (c) Elke Moorkamp

Ich finde es sehr schade, dass ich derzeit mit meinem 6-Monate alten Baby den Pikler-Kurs nicht besuchen kann.

Da es mein 2. Kind ist, gibt mir die Gruppe die Möglichkeit, mich 90 Minuten mal ganz intensiv und fokussiert nur mit meinem Baby zu beschäftigen. In der aktuellen Situation ist dies zuhause mit 2 Kindern so leider nicht umsetzbar.

Ich finde es zudem wichtig, dass meine Tochter im Kurs Kontakt zu anderen Babys haben kann und finde es schön zu sehen, wie sie miteinander kommunizieren und sich Woche für Woche entwickeln.

Toll finde ich auch den Erfahrungsaustausch mit den anderen Müttern und der Kursleiterin, da man sich auch beim 2. Kind unter anderem noch viele Tipps und Anregungen einholen kann. Dieser Austausch fehlt mir sehr.

 

Jeannine mit Nela

 

Foto (c) Dunker
Foto (c) Dunker

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