Mit Buch im Online-Chat

Literaturgesprächskreis im neuen Rahmen

Foto Teaser (c) pics of my life, Foto (c) Shutterstock
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Eigentlich… hätte ich mich vorige Woche, am Abend des 22.4.2020, in der realen Welt mit 29 literaturinteressierten Frauen getroffen, die sich auch sonst über einen Verein gut kennen und mit denen ich schon ein Live-Seminar veranstaltet habe – wir hätten uns vermutlich herzlich auf dem kleinen Platz vor dem Gebäude begrüßt und wären plaudernd in den Raum gegangen. Während die  Teilnehmerinnen sich ihre Plätze gesucht hätten, hätte ich mich eingerichtet, meine Unterlagen ausgebreitet und die vorbereiteten Flipchartbögen aufgehängt.

Doch bevor es dazu kommen konnte, kam Corona und damit die Frage: Verschieben oder anders machen?
Weil ich mir einen Literaturgesprächskreis gut als Online-Veranstaltung vorstellen konnte, fragte ich wenigstens mal nach. Und bekam sowohl von meiner Ansprechpartnerin im Kölner Bildungswerk – Angelika Fürst – als auch von den Literaturdamen ein klares: „Warum eigentlich nicht?“ Was uns zum nächsten „eigentlich“ brachte.

Denn eigentlich wollte ich mich zum Testlauf digital mit Angelika Fürst treffen. Nur zur Sicherheit. Und wir scheiterten grandios: Probleme mit dem Schulungsraum, den Passwörtern, der Möglichkeit, mich als Moderatorin einzusetzen. In zwei Home-Offices gaben wir alles, die Handies auf laut gestellt, damit wir die Hände zum Tippen frei hatten. Schließlich schafften wir es durch eine Mischung aus Zauberhand, den richtigen Häkchen und einer großen Portion Humor. Und erreichten wahrscheinlich mit der geplatzten Generalprobe, dass der Einstieg am Abend gelang – lediglich mit einzelnen Startschwierigkeiten, die leicht zu beheben waren.Und wie im wahren Leben war die Wiedersehensfreude groß. Vielleicht sogar etwas größer, weil man sich in den letzten Wochen nicht so selbstverständlich hatte begegnen können.

Eine Herausforderung für mich als Moderatorin – ist es doch in einer Online-Situation noch anspruchsvoller, lebhafte Gespräche charmant zu übertönen. Mithilfe einer kurzfristigen uncharmanten Stummschaltung, der Einigung auf digitale Kommunikationsregeln und einer großen Bereitschaft der Runde wurden wir jedoch schnell arbeitsfähig.

Und kamen in einen spannenden Gedankenaustausch über Kent Harufs „Unsere Seelen bei Nacht“ – einem Roman aus einer amerikanischen Kleinstadt, in der die 70-jährige Addie eines Abends ihren ungefähr gleichaltrigen Nachbarn Louis fragt, ob er sich vorstellen könne, ab und zu bei ihr zu übernachten. Ein Setting, das wir kontrovers diskutierten. In einer Runde, in der auch etliche der Teilnehmerinnen um die 70 sind. Und die bewiesen ganz klar, dass Offenheit und Neugierde keine Frage des Alters sind – sowohl beim Gespräch über Literatur als auch hinsichtlich moderner Medien.

Wenn es im Juni um „Das Rosie Projekt“ von Graeme Simsion geht, treffen wir uns daher in jedem Fall wieder – entweder im realen Seminarraum oder virtuell.

 Ein Beitrag von Carolin Dörmbach

 

Carolin Dörmbach ist freiberuflich vielseitig im Kulturbereich tätig: www.carolin-doermbach.de

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