Gänseblümchen im Kölner Dom

"Maria, Maienkönigin! Dich will der Mai begrüßen!"

Köln, Dom, Altar der Stadtpatrone, geöffnet, Gesamtansicht © Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
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Während ich im Homeoffice bin, schlendere ich gerne mal zur Kaffeepause durch unser Gärtchen. Da beginnen gerade die Akeleien zu blühen, und auch die Walderdbeere im Topf blüht schon.

Beide Blumen erinnern mich an Stefan Lochners Altar der Stadtpatrone im Dom. Jede Domführung macht dort einen kurzen oder längeren Halt. Meist schaut man nur auf das viele Gold, die kostbaren Stoffe und die knienden Könige zu Seiten der Gottesmutter mit dem sehr zarten Gesicht. Dass die Stadtpatrone mit ihrem Gefolge auf einer äußerst detailliert gemalten Wiese mit vielen unterschiedlichen Pflanzen stehen, übersieht man schnell - obwohl die roten Erdbeeren auch von weitem gut zu sehen sind.

Elisabeth Comes hat diese ‚Paradieswiese‘ ausführlich untersucht und 40 Pflanzen gezählt, von denen sie 33 genau identifizieren konnte. Es sind Blumen, die alle schon im Frühjahr blühen, das Bild passt also in den Marienmonat Mai. Viele Pflanzen sind Heilpflanzen, die bereits im Mittelalter wichtig waren und häufig mit einer symbolischen Bedeutung auf Maria verwiesen. Das Veilchen blüht unscheinbar im Verborgenen und riecht doch so gut – es war im Mittelalter ein gut bekanntes Symbol für die Demut Mariens. Auch die Erdbeere war im Mittelalter ein häufig auf Maria bezogenes Symbol, ihre dreigeteilten Blätter verweisen darüber hinaus auf die Dreifaltigkeit. Die ungewöhnliche Blütenform der Akelei in meinem Garten verweist auf die Taube, Symbol des Heiligen Geistes und damit auf die Verkündigung. Das Gänseblümchen, auch Maßliebchen oder Marienblümchen genannt, entstand der Legende nach aus den Tränen, die Maria bei der Flucht nach Ägypten weinte.

Viele andere von Lochner gemalte Pflanzen haben ebenfalls symbolische Bedeutung und meist auch heilende Wirkung. Elisabeth Comes konnte zeigen, dass viele der dargestellten Pflanzen gegen Seuchen und Epidemien und vor allem gegen die große Geißel des Mittelalters, die Pest wirken sollten. Wir wissen, dass das aktuell weltweit wütende Virus nicht einfach zu bekämpfen ist, aber zahlreiche der gemalten Kräuter können – bei einer Wald- und Wiesenwanderung gesammelt –zumindest das Immunsystem stärken. Das von Lochner gemalte Echte Lungenkraut wird auch heute noch bei Husten eingesetzt. Und auch diese Pflanze erzählt eine Mariengeschichte: die hellen Flecken auf den

Blättern sind Muttermilch, die beim Stillen des Jesuskindes auf die Pflanze tropfte.

 

Ein Beitrag von Monika Schmelzer

Monika Schmelzer ist Kunsthistorikerin und hat schon vielen Dom-Gästen die Schönheit dieses Altarbildes nahe gebracht.

 

Literatur:

Elisabeth Margarete Comes: Ein Garten Eden. Nicolai Verlag Berlin 2012.

Eine Kurzfassung des Buches in: Kölner Domblatt 78, 2013, Elisabeth Margarete Comes: Die Pflanzen auf dem Altar der Stadtpatrone im Kölner Dom, S. 174-235.

Rudi Beiser. Unsere essbaren Wildpflanzen. Kosmos 2014


Sie können die folgenden Bilder durch einfaches Anklicken jeweils vergrößern und so die Schönheit der Blumenwiese im Detail betrachten.


Wir bedanken uns herzlich beim Metropolitankapitel der Hohen Domkirche Köln (Dombauhütte - Dombauarchiv) für das Zuverfügungstellen der Bilder. Nachweis im Einzelnen:

  • Köln, Dom, Altar der Stadtpatrone, geöffnet, Gesamtansicht © Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
  • Köln, Dom, Altar der Stadtpatrone, geöffnet, rechter Außenflügel, Innenseite (Gereon-Flügel), Detailansicht: Rasenstück mit einer Akelei und einem Hirschkäfer © Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
  • Köln, Dom, Altar, der Stadtpatrone, geöffnet, linker Außenflügel, Innenseite (Ursula-Flügel), Detailansicht: Rasenstück mit Gänseblümchen, Walderdbeere, Gundermann, Schlüsselblume und echtem Lungenkraut © Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk
  • Köln, Dom, Altar der Stadtpatrone, geöffnet, Mitteltafel, Rasenstück mit Gänseblümchen, Borretsch, echter Nelkenwurz, Wiesenklee, und wohlriechendem Veilchen © Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte; Foto: Matz und Schenk

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