Kirchen in Düsseldorf

Von der Romanik bis zum 20. Jahrhundert

St. Benedictus, Foto (c) M. Jüsten-Mertens, Foto Teaser St. Benedictus Innenraum, (c) M. Jüsten-Mertens
St. Benedictus, Foto (c) M. Jüsten-Mertens, Foto Teaser St. Benedictus Innenraum, (c) M. Jüsten-Mertens

EIGENTLICH… wollten wir zeigen, dass auch unsere Landeshauptstadt Düsseldorf eine Menge zu bieten hat. Die Exkursion sollte zunächst nach Himmelgeist führen, einem südlich der Innenstadt am Rhein gelegenen Ortsteil. Bis auf den heutigen Tag ist er geprägt durch enge Straßen, mehrere Hofanlagen und Haus Mickeln, eine Schlossanlage (heute Gästehaus der Universität), die Mitte des 19. Jahrhunderts als Sommerresidenz für die Herzöge von Arenberg errichtet wurde. Die malerisch gelegene romanische Kirche St. Nikolaus gehört zu den ältesten Kirchen Düsseldorfs und wirkt auf den ersten Blick wie das Modell einer romanischen Kleinbasilika. Bei genauem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass sie das Ergebnis einer langen Baugeschichte ist. Von dort sollte es in den linksrheinischen Teil von Düsseldorf weitergehen. Bis zur großen Zeitenwende der französischen Revolution gehörten die rechts- und linksrheinischen Teile der Stadt verschiedenen Staaten an. Während das auf der rechten Rheinseite gelegene Gebiet zum Territorium der Grafen und späteren Herzöge von Berg gehörte, war das gegenüberliegende linksrheinische Gebiet ein Teil von Kurköln. Es war überwiegend ländlich geprägt mit einigen wenigen kleinen Ansiedlungen, von denen die bedeutendste Heerdt war. Kirchenpolitisch gehörte das gesamte linksrheinische Gebiet zum Kirchspiel Heerdt, wo nach der Zerstörung der mittelalterlichen Pfarrkirche in der Zeit von 1844-1847 ein repräsentativer neugotischer Neubau entstand. Die Kirche St. Benediktus im Zentrum von Alt-Heerdt, steht am Ort einer kleinen romanischen Kirche, die im 19. Jahrhundert niedergelegt wurde. Die vom Krefelder Stadtbaumeister Johann Heinrich Freyse (1809-1850) errichtete neue Kirche ist eine der frühesten neugotischen Kirchen am Niederrhein und die erste mit massiv gemauerten Gewölben, was die Bauherren nahezu an den Rand des Ruins gebracht hätte. Der an klassizistischen Bauten geschulte Architekt hatte nämlich keine Erfahrung im Gewölbebau und noch keinen solchen Bau eigenverantwortlich ausgeführt. Da die Kölner Dombauhütte erst 1841 neu gegründet wurde, konnte er auch auf Erfahrungen dieser Kollegen nicht zurückgreifen.

Eine weitere Kirche in Heerdt ist die sogenannte Bunkerkirche. 1940 wurde ein Grundstück am Handweiser, das eigentlich für den Bau einer Kirche vorgesehen war, enteignet und am Ende des Jahres mit dem Bau eines Bunkers begonnen. Auch Düsseldorf gehörte zu den Städten, die im Zweiten Weltkrieg besonders stark durch Luftangriffe gefährdet waren. Der Bunker war als sogenannter Kirchenbunker konzipiert. Mit seinem rechteckigen, langgestreckten Grundriss  und einer runden Rampe war er der Form eines Kirchengebäudes nachempfunden.

Offensichtlich rechnete man damit, dass eine Kirche nicht vorrangiges Ziel von Luftangriffen sein würde. Nach dem Ende des verheerenden Krieges wurde der Bunker nicht zum Parkhaus umgebaut, wie von den Bunkerarchitekten vorgesehen, sondern der tatkräftige Pfarrer Carl Klinkhammer, der 1947 nach Heerdt versetzt worden war, hatte andere, nahezu revolutionäre Pläne. Mit Unterstützung seines Freundes Willy Weyres, Dombaumeister in Köln, der die Pläne lieferte, wurde der Bunker mit der Hilfe zahlreicher Freiwilliger zur Kirche umgebaut. Fast 70 Jahre war der ehemalige Schutzraum das Zentrum der sehr lebendigen Gemeinde St. Sakrament. Heute wird die Kirche von der koptisch-orthodoxen Gemeinde genutzt, die den Raum für ihre Bedürfnisse neu ausstattete.

 

Ein Beitrag von Margrit Jüsten-Mertens

Margrit Jüsten-Mertens ist Kunsthistorikerin und engagiert sich ehrenamtlich bei "Kölner ab 55", für die diese Exkursion geplant war.


Die Bilder können durch einfaches Anklicken vergrößert werden. Sie zeigen die Außen- und Innenansicht der oben im Text erwähnten Bunkerkirche.

 

(c) für alle Fotos: M. Jüsten-Mertens

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