Literarische Streifzüge durch den Garten

Ob Garten oder Gärtchen: Hauptsache, es grünt und blüht!

Eigentlich... hätte am Mittwoch, den 6. Mai 2020, im Biedermeierzimmer im St. Anna-Wohnstift die Veranstaltung „Literarische Streifzüge durch den Garten“ stattfinden sollen.

 

Doch durch Corona kam wieder einmal alles anders. Anstatt  gemeinsam aus den Werken von Elisabeth von Arnim, Vita Sackville-West, Max Frisch, Hermann Hesse, Theodor Fontane, Leo Tolstoi, Virginia Woolf und vielen anderen zu hören und darüber zu sprechen, können wir uns nun nur alleine auf die literarischen Streifzüge durch den Garten machen. So wird die Gartenlust unter dem grünen Laubdach zur Leselust. Bereits Cicero schrieb „Dem, der einen Garten und eine Büchersammlung besitzt, fehlt es an nichts.“ Von jeher sind Gärten der Inbegriff von Ruhe und Muße, einer friedlichen Oase gegen die äußeren Bedrohungen der Welt. So wollen wir auch in dieser Zeit dem Zauber nachspüren, der viele Autoren im Garten zu wunderbaren Werken inspiriert hat.

Hier einige Buchvorschläge, mit denen Sie sich in einen schönen Garten versetzen können:

Der Garten der Virginia Woolf, von Caroline Zoob, Deutsche Verlags Anstalt (DVA) 2013, 192 Seiten, ein wunderbarer Bildband.

 

1919 kauften Virginia und Leonhard Woolf ein einfaches Cottage, Monk’s House, in Rodmell, am Fuße der Sussex Downs als Landsitz, um hier an den Wochenenden und in den Ferien zu lesen, zu schreiben und im Garten zu arbeiten. Nach und nach erweiterten sie das Haus und statteten es fantasievoll aus. Nur sechs Kilometer entfernt von Charleston Farmhouse von Vanessa Bell, der Schwester Virginia Woolfs, diente Monk‘s House häufig auch als Treffpunkt der Mitglieder der legendären Bloomsbury Gruppe. Den Ausschlag für den Erwerb des Hauses gab nicht zuletzt der Garten, über den sich Virginia Woolf in vielen Tagebucheintragungen und Briefen äußerte. Hier, in einem kleinen separaten Arbeitsraum unter der großen Rosskastanie entstanden die meisten ihrer berühmten Romane und Essays, die sie zu einer der bedeutendsten Autorinnen der klassischen Moderne machten. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs machten die Woolfs Monk’s House zu ihrem ständigen Wohnsitz, wo Virginia (bis 1941) und Leonhard (bis 1969) bis zu ihrem Tod lebten. Heute befinden sich Haus und Garten im Besitz des National Trust; an der Anlage des Gartens wurde seit damals nicht viel verändert.

 

»Der Augenblick: Sommernacht sank hernieder, so dass der Tisch im Garten unter den Bäumen weißer und weißer wurde …«  (Virginia Woolf)

Der Traum vom Leben auf dem Land, hrsg. von German Neundorfer, Fischer Taschenbibliothek, 2016

 

Eine Sammlung von Gedichten und Geschichten rund um die Natur und den Garten. Auch Dichter fahren in den Urlaub und in die Sommerfrische. In den heißen Monaten des Sommers wird das Land zum Fluchtpunkt des Lebens. Die Texte von Jane Austen , Leo Tolstoi und vielen anderen zeugen von den Vorzügen des Landlebens und dem Reiz einer Auszeit vom Alltag.

 

Lektüre im Garten, ausgewählt von Franz-Heinrich Hackel, Insel Taschenbuch, 1997, mit Texten von Hermann Hesse, Marie Luise Kaschnitz, Elisabeth von Arnim, Max Frisch und vielen anderen.

 

Die freie Zeit gehört dem Garten - ob nun an blauen, sonnigen Tagen oder wenn der Himmel regenschwer daher kommt. Man mag beim Gärtnern Gedanken spinnen, mit Gießkanne, Spaten und Harke hantierend, Gedanken, die in die Gartenwelt hinein- oder über sie hinausführen. Laut Hermann Hesse „kann die Beschäftigung mit Erde und Pflanzen der Seele eine

ähnliche Entlastung und Ruhe geben, wie die Meditation.“

Sissinghurst, Porträt eines Gartens, von Vita Sackville-West und Harold Nicolson

Insel Verlag 2006

 

1930 kaufte die Schriftstellerin Vita Sackville-West mit ihrem Ehemann Harold Nicolson die Ruine von Schloss Sissinghurst in Kent, um dort einen Garten zu erschaffen. Heute bewundern jährlich 160.000 Menschen ihr Lebenswerk: den Garten von Schloss Sissinghurst. Wie der Garten entstand, nach welchen Gesichtspunkten Pflanzen ausgewählt und wo Beete und Rabatten angelegt wurden, wie der Garten das Portrait ihrer Ehe widerspiegelt, all dies findet man in den Tagebüchern und Briefen, in den Gartenkolumnen von Vita Sackville-West und den Rundfunkbeiträgen von Harold Nicolson.

 

alle Fotos in diesem Beitrag (c) A. Fürst
alle Fotos in diesem Beitrag (c) A. Fürst

Gartenglück im Sommer: Ein literarischer Spaziergang, Fischer Klassik, TB, 2017

 

Ob in strahlendenden Parks, endlosen Wäldern, verwunschenen Gärten oder auf weiten Wiesen: In den heißen Monaten des Jahres in der Natur zu verweilen und sich eine Auszeit vom Alltag zu nehmen, gehört zu den schönsten Momenten des Sommers. Dieser Band macht einen literarischen Streifzug durch alle Facetten der sommerlichen Natur.

 

Mit Texten von Rainer Maria Rilke, Paula Modersohn-Becker, Robert Musil, Friedrich Hölderlin und vielen anderen.

 

Ein Beitrag von Regina Börner

Regina Börner ist Anglistin und Historikerin

und arbeitet freiberuflich als Literaturreferentin

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Kommentare: 2
  • #1

    Benno Kurze (Mittwoch, 06 Mai 2020 11:31)

    Was für ein schöner Blick über den Zaun und in das Herz so vieler Gartengenießer. Gestern las ich in einem Brief von einem 92jährigen, der erzählte, dass er in Corona-Zeiten seine Stunde Gartenarbeit so richtig genieße, dass ihm der Garten es allerdings auch heimzahle, wenn diese Stunde mal ein oder zwei Tage fehle. Jetzt hat in Köln wieder die Flora auf und der Forstbotanische Garten, da lockt das Leben wieder ein wenig mehr.
    Danke für diese schöne Seite und allen Mitwirkenden die besten Wünsche für ihre Arbeit!

  • #2

    Barbara (Mittwoch, 06 Mai 2020 13:24)

    Vielen Dank für die schönen Büchertipps! Ein Buch für Nicht-Garten-Besitzer ist noch Edith Holdens Tagebuch "Vom Glück, mit der Natur zu leben", in dem sie die LeserInnen durch ein ganzes Jahr "draussen" mitnimmt.

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