Kein Bickendorfer Büdchen

Heimatschutzstil und Neues Bauen: Drei Siedlungen und eine Kirche in Bickendorf

Fotos (c) Rolf Heinrich, Köln  https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cf/Koeln-Bickendorf_St._Dreik%C3%B6nigen001.JPG
Fotos (c) Rolf Heinrich, Köln, CC BY-SA 3.0

EIGENTLICH... wollten wir zeigen, dass das Bickendorfer Büdchen ein Mythos der Bläck Fööss ist, dieser Ortsteil aber sehr viel zu bieten hat.

Zwischen 1913 und 1938 entstanden in Bickendorf drei Siedlungskomplexe, die vom Heimatschutzstil und den Grundelementen des Neuen Bauens geprägt sind und wichtige Beispiele für den sozialen Wohnungsbau vor und nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland sind.

Die früheste Siedlung, Bickendorf I, ein erstes Siedlungsvorhaben der GAG, wurde 1914 begonnen und nach einer Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg bis 1920 vollendet. Die Planung folgt dem Konzept einer Gartenstadt, die 575 Kleineigenheime in geschlossenen Straßenzügen, aber aufgelockert durch kleine Platzanlagen umfassen sollte und vor allem für Großfamilien der unteren Einkommensschichten gedacht war. Anlehnen wollte man sich an eine dörfliche Bebauung mit ruhigen Wohnstraßen, denn die Hauptverkehrsstraßen führten an der Siedlung vorbei. In den oftmals geschwungenen Straßen stehen überwiegend zweigeschossige Ein- und Zweifamilienhäuser mit kleinen Gärten, teilweise mit Vorgärten. Dadurch variiert die Flucht der Häuser. Der bedeutende Architekt Wilhelm Riphahn, der auch in die Planung von Bickendorf I eingebunden war, entwarf federführend 1922-28 die Siedlung Bickendorf II, nach dem zentralen Platz der Siedlung auch Rosenhofsiedlung genannt. Bauherr war ebenfalls die städtische GAG, die hier aber in großem Stil über 1.100 Etagenmietwohnungen baute. Es entstand ein neuer Stadtteil mit 3-4 geschossigen Bauten, die nach einem eigens entwickelten und heute rekonstruiertem Farbkonzept gestaltet wurden. Die schlichten funktional wirkenden Fassaden lassen die Prinzipien des Neuen Bauens erahnen, im Detail wirkt aber noch der Heimatschutzstil mit Sprossenfenstern und Satteldächern. Die Siedlung ist in zahlreiche Grünflächen eingebettet und spiegelt so das Prinzip des öffentlichen Wohnbaus der Zwanziger Jahre eindrucksvoll wider: „Lich, Luff und Bäumcher“.

St. Dreikönigen im Jahr 1930, Foto (c) Bundesarchiv, Bild 102-009916 / CC-BY-SA 3.0
St. Dreikönigen im Jahr 1930, Foto (c) Bundesarchiv, Bild 102-009916 / CC-BY-SA 3.0

Asymmetrisch an der Längsachse steht die 1928/29 errichtete katholische Kirche St. Dreikönigen, hier ein integraler Bestandteil der Siedlung.
Aus einem Wettbewerb katholischer Architekten Kölns ging der Entwurf von Hanns Fischer als Sieger hervor. Der kubische Bau mit hohen schlanken Lanzettfenstern und einem aufragenden Turm, bietet im Inneren die Möglichkeit für eine unverstellte, von jeglicher Sichtbehinderung freie Teilnahme an der Liturgie. Zum ruhigen und feierlichen Eindruck des Innenraums tragen die Fenster des Niederländers Johan Thorn Prikker bei, der hier in Bickendorf ein bedeutendes Spätwerk hinterlassen hat.

Zwischen 1920 und 1926 wurde Bickendorf III, die sogenannte Gartensiedlung gebaut. Bauherr war die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Kölner Gartensiedlung, die 1919 vom Gesamtbetriebsrat der Stadt Köln gegründet worden war.

In der Gartensiedlung stehen überwiegend zweigeschossige Backsteinbauten. Durch das Vor- und Zurücksetzen von Hausteilen werden die einzelnen Häuserzeilen aufgelockert. Die Häuser sind im Heimatstil mit Anklängen an den Expressionismus erbaut und verfügen über große Freiflächen zwischen den Zeilen. Hier gibt es das erste und einzige Genossenschaftsheim der Stadt, den Friedrich-Ebert-Saal. Nach einer langen zwischenzeitlichen Nutzung als Kino und als Tonstudio ist er nun wieder als Veranstaltungsraum für die Kölner Bürger nutzbar.

 

Ein Beitrag von Margrit Jüsten-Mertens

Margrit Jüsten-Mertens ist Kunsthistorikerin und engagiert sich ehrenamtlich bei "Kölner ab 55",

für die diese Exkursion geplant war.

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Tessa Hillebrand (Mittwoch, 13 Mai 2020 21:22)

    Danke für Bilder und Erläuterungen; ich werde jetzt erstmal alleine durch Bickendorf wandern und freie mich dann auf die Führung (wann immer sie stattfindet).

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