"Außer dem Leben können Sie Dir ja nichts nehmen"

Lesung aus: Helmuth James und Freya von Moltke: Abschiedsbriefe Gefängnis Tegel September 1944 bis Januar 1945

Heirat von Freya Deichmann mit Helmuth James Graf von Moltke, rechts die beiden Mütter
Heirat von Freya Deichmann mit Helmuth James Graf von Moltke, rechts die beiden Mütter

Eigentlich ... fände heute Abend in der Reihe "lesen & lesen lassen" im Stammheimer Lichtblick-Café eine Lesung statt mit Auszügen aus den Abschiedsbriefen zwischen Helmuth James und Freya von Moltke. Moltke wurde vor 75 Jahren von den Nazis hingerichtet.

 

„Kreisauer Kreis“, das hat jeder auch nur halbwegs geschichtsinteressierte Mensch hierzulande schon mal gehört, aber anders als etwa zur „Weißen Rose“ oder den Männern vom 20. Juli 1944 fehlt es dazu meist an Hintergrundwissen. In Kreisau stand das Elternhaus von Helmuth James Graf von Moltke, der dort und in Berlin im Kreisauer Kreis mit Freunden und Gleichgesinnten über eine religiös-soziale Neuordnung Deutschlands nach dem Krieg nachgedacht hat. Der Totalitätsanspruch des NS-Staates und die Auswirkungen des Regimes, besonders die Beseiti­gung des Rechtsstaates, die Verfolgung und Ausrottung der Juden, die Liquidierung politischer Geg­ner und „lebensunwerten Lebens“ sowie der Kampf gegen die Kirchen führte zur Bildung von aktiven Widerstandskreisen wie dem von Kreisau.

 

Helmuth James Graf von Moltke, geboren 1907, studiert Jura und übernimmt früh die Verwaltung des überschuldeten Familienguts in Kreisau in Niederschlesien. 1931 heiratet er die Kölner Bankiers­tochter Freya Deichmann, die seine reformerischen Ideen teilt und ebenfalls Jura studiert.

Freya übernimmt 1935 die Verwaltung in Kreisau, Helmuth James sieht im NS-Staat vor Ort keine Möglichkeit, als Anwalt oder Richter tätig zu sein, geht nach Berlin, wo er zwangsverpflichtet wird, als Sachverständiger für internationales Recht beim Oberkommando der Wehrmacht in Berlin zu arbeiten.

Seit 1940 sind beide Moltkes konspirativ tätig. Helmuth James nutzt seine Kontakte und Reisen, um Menschen aus den gegensätzlichsten Bereichen zum Gespräch über eine gute/bessere/gerechtere Gesellschaft nach dem Krieg zusammenzubringen, so wächst der sogenannte „Kreisauer Kreis“. Im Januar 1944 wird er verhaftet, als er einen befreundeten Kollegen vor einem Gestapospitzel warnen will. Nach dem Attentat im Juli 1944, das Helmuth James wegen des Gewalteinsatzes verurteilt, kommen Verbindungen zum Kreisauer Kreis ans Tageslicht.

Dank der Bombenschäden am Gestapogefängnis in der Lehrter Straße wird Helmuth James mit an­deren Häftlingen nach Tegel verlegt. Hier trifft er auf den evangelischen Gefängnispfarrer Harald Poelchau, der – von den Nazis unentdeckt - zum Kreisauer Kreis gehört. Durch sein unerschrocke­nes Briefeschmuggeln und eine andauernde Gastfreundschaft für Freya, wenn sie in Berlin ist, wird dieses unfassbare Dokument überhaupt ermöglicht. Vor den Nazis versteckt hat Freya die gesammelten Briefe übrigens im Kreisauer Bienenhaus.

In den 120 Tagen von der Einlieferung in Tegel bis zur Hinrichtung wurden 172 Briefe geschrie­ben.

 

Ein Beitrag von Barbara Günster und Bernhard Riedl


Literaturhinweise:

Die Lesung zitiert Briefe aus dem Buch:  Helmut James und Freya von Moltke: Abschiedsbriefe Gefängnis Tegel September 1944 bis Januar 1945, C.H.Beck

 

Auf die folgenden Bücher sei noch hingewiesen, sie sind entweder über den Buchhandel oder/und über die verschiedenen Online-Antiquariate zugänglich:

  • Freya Gräfin von Moltke: Erinnerungen an Kreisau 1930-1945, C.H. Beck
  • Helmuth James von Moltke:  Briefe an Freya 1939-1945, hg. von Beate Ruhm von Oppen, C.H. Beck
  • Manfred Overesch: Gott, die Liebe und der Galgen: Helmuth J. und Freya von Moltke in ihren letzten Gesprächen 1944/45. Ein Essay. (Lebensberichte –  eitgeschichte), Georg-Olms-Verlag 2015
  • Frauke Geyken: Freya von Moltke, C.H. Beck Verlag
  • Ingo Hermann und von Moltke Freya: Die Kreisauerin. Gespräch mit Eva Hoffmann in der Reihe 'Zeugen des Jahrhunderts', Lamuv-Verlag.
Freya von Moltke auf der Veranda des Berghauses in Kreisau, 1932 ©Foto Familie von Moltke
Freya von Moltke auf der Veranda des Berghauses in Kreisau, 1932 ©Foto Familie von Moltke

Auf der Seite der Freya-von-Moltke-Stiftung sind zahlreiche Hinweise auf Filme und Audiodokumente zu finden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto Teaser (c) Bild 147-1277 / CC-BY-SA 3.0


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