Frauen vor Flusslandschaft

Welche Fragen würde uns Heinrich Böll jetzt stellen?

Im Jahr 2017, als Heinrich Böll 100 Jahre alt geworden wäre, haben die Kath. Bildungseinrichtungen Bonn, Köln und Rhein-Siegkreis ein großes Programm gestaltet.
Im Jahr 2017, als Heinrich Böll 100 Jahre alt geworden wäre, haben die Kath. Bildungseinrichtungen Bonn, Köln und Rhein-Siegkreis ein großes Programm gestaltet. Foto Teaser (c) A. Fürst

„Frauen vor Flußlandschaft“, das letzte Buch von Heinrich Böll nahmen wir uns für den Start in das erste Halbjahr 2020 im Literaturkreis von St. Mariä Geburt in Porz-Zündorf vor.

 

Drei Jahre arbeitete der Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll an seinem letzten Buch, das einen Monat nach seinem Tod 1985 bei Kiepenheuer und Witsch veröffentlicht wurde.

In einer Villengegend zwischen Bonn und Bad Godesberg lässt er die Frauen von Bonner Politikern und ihren Hintermännern, den Bankiers, zu Wort kommen. Diese scheuen nicht davor zurück auch die Kirche in ihre Machenschaften mit einzubeziehen. Der Roman spielt an zwei Tagen im Jahr 1984.

 

Das Buch ist kein Roman im eigentlichen Sinne. Es ist eher ein Bühnenstück mit Dialogen, Monologen und Regieanweisungen. Die Lesenden werden zu Zuhörenden. So spricht Erika Wubler davon, sich nicht mehr von ihrem Mann vorschreiben zu lassen, was sie zu tun hat, um den Schein zu wahren. Sie prangert an, dass die „Herren“ mit ihrer Nazivergangenheit die Frauen mundtot machen wollen. Sie ist erschüttert, als sie erfährt, dass Blaukrämers erste Frau Selbstmord begeht, um nicht in einem sogenannten Sanatorium mit unwürdigen Mitteln zum Schweigen gebracht zu werden. Sie weiß zu viel über die Vergangenheit der Männer. Zwei junge Frauen, Hilde und Katharina, verkörpern die junge Generation mit ihrem Wunsch

mitzugestalten und nicht mehr gegängelt zu werden.

 

Heinrich Böll erweist sich in seinem letzten Werk noch einmal als Mahner und Aufrüttler. Bis zum Schluss lässt er nicht, ab uns seine Themen vor Augen zu führen. Themen, die auch unsere sein müssen, wie z. B.: aus der Vergangenheit lernen, sich zu Wort melden zum Wohl der Anderen, der Gemeinschaft, unbequem sein, damit Missbrauch und Machtausübung aufgearbeitet und verhindert werden, gegen den Strom schwimmen, als Christ in der Nachfolge Jesu leben, die Amtskirche kritisch hinterfragen dürfen.

 

Im Januar und Februar saßen wir im Literaturkreis zusammen, um unsere Gedanken und Eindrücke zum Buch auszutauschen. Dann kam Corona. Geplante Treffen mussten ausfallen.

Heinrich Böll wären bestimmt Texte zu unserer veränderten Welt eingefallen. Welche Gedanken und Mahnungen wären in seine Texte eingeflossen? Die Antwort bleibt nun uns überlassen. Vielleicht möchten Sie eine Kurzgeschichte schreiben.

 

Ich hoffe sehr, dass ich mich bald wieder mit meinem Literaturkreis (mit den nötigen Vorsichtsmaßnahmen) zusammensetzen kann. Der Austausch über einen Text ist und bleibt eine unerschöpfliche, wertvolle Quelle.

 

Ein Beitrag von Christel Thomas, Literaturreferentin aus Leverkusen


Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Mit einem RSS-Reader in Ihrem Browser  können Sie diesen Blog  abonnieren.  Im Browser wird dann jeweils angezeigt, wenn sich in diesem Blog etwas getan hat. Kopieren Sie dazu diese URL in Ihren RSS-Reader: https://eigentlich.koeln/rss/blog/     

In vielen Browsern ist ein RSS-Reader bereits integriert oder kann als kostenfreie Erweiterung heruntergeladen werden.

Wir empfehlen z.B. Feedbro Reader für >>> Firefox oder für >>> Chrome.