Die Geflüchtetenarbeit in Porz und die Corona-Krise

"Ich will sie nicht im Stich lassen!"

Foto (c) Peter Weidemann in Pfarrbriefservice.de; Foto Teaser (c) Kloster Maihingen / Alois Sattlecker
Foto (c) Peter Weidemann in Pfarrbriefservice.de; Foto Teaser (c) Kloster Maihingen / Alois Sattlecker

In Porz ist viel los in der Geflüchtetenarbeit. Eigentlich.

Mesut Mutlu erzählt über Ehrenamt in Zeiten der Corona-Krise. Er ist der Ehrenamtskoordinator für die Geflüchtetenarbeit in Porz und bei der Stadt Köln angestellt.

 

Wie war die Corona-Zeit für Ehrenamtliche?

 

Mit der Corona-Krise und den Kontakteinschränkungen mussten plötzlich die Gesundheit aller und der Eigenschutz an erste Stelle kommen. Ehrenamtliche durften nicht mehr die Geflüchtetenheime betreten. Manche erlebten einen regelrechten Gewissenskonflikt, weil sie das Gefühl hatten, die Menschen im Stich zu lassen, die sie bisher begleitet und regelmäßig getroffen hatten. Für viele Familien waren das Homeschooling und die Betreuung der Kinder rund um die Uhr große Herausforderungen. Ehrenamtliche versuchten, online beim Homeschooling oder Deutschlernen zu unterstützen - so gut das eben ging. Ersetzen konnte das weder die Schule noch den Deutschkurs.

Ich finde, Ehrenamtliche sollten sich nicht vorwerfen, jemanden im Stich gelassen zu haben. Das Ehrenamt ist wichtig, aber manchmal ist der Eigenschutz noch wichtiger - damit man danach weitermachen kann. Die letzten Wochen waren eine Zeit des Rückzugs in das eigene Umfeld, und den Rückzug kann man auch visionär betrachten: mit dem Gedanken, dass man später wieder Fahrt aufnehmen wird …

 

Was hat es mit „Corona trifft alle gleich“ auf sich?

 

Das stimmt einfach nicht. Je mehr persönliche Möglichkeiten man hat, desto weniger betroffen ist man von der Corona-Krise. Wer technisch gut ausgerüstet ist, kann vieles ins Virtuelle verlagern. Wer einen Garten hat, hat in solchen Zeiten großes Glück. Natürlich spielen auch das Alter und Vorerkrankungen eine Rolle. Und was man nicht vergessen sollte: Viele Geflüchtete hatten auch in der Corona-Krise weiterhin ihre ganz existentiellen Sorgen. Ob ihr Antrag auf Asyl bewilligt ist. Wie es ihrer Familie im Herkunftsland geht. Wie es dort überhaupt weitergeht und ob sie wieder in ihre Heimat zurückkehren können.

Foto (c) Nicole Cronauge / Bistum Essen
Foto (c) Nicole Cronauge / Bistum Essen

Sie sind mit vielen Ehrenamtlichen vernetzt, viele sind selbst geflüchtet. Wie schaffen Sie es, so viele Menschen zusammen zu bringen?

 

Es ist wichtig, die Menschen direkt anzusprechen, sie zu ermutigen und sie in ihren Anliegen und Projekten zu unterstützen. Es ist wichtig, Menschen willkommen zu heißen. Noch bevor sie die deutsche Sprache gut beherrschen, sollte man sie willkommen heißen. Mir ist es ein Anliegen, Neuzuwanderer/innen als Ehrenamtler/innen und Multiplikator/innen zu gewinnen.

In Zusammenarbeit mit dem Katholischen Bildungswerk und weiteren Trägern haben wir mehrere Fortbildungen für Ehrenamtliche durchgeführt, u.a. die Schulung "Fit für die Geflüchtetenarbeit". Teilgenommen haben auch Ehrenamtliche, die selbst geflüchtet sind, bereits die deutsche Sprache erlernt haben und begeistert sind, in der Integrationsarbeit mitzumachen.

Die Covid 19-Zahlen haben sich exponentiell entwickelt. Ebenfalls exponentiell wächst die "Ansteckung" durch Begeisterung bei Neuzuwanderer/innen! Wenn Leute zusammenkommen und Integrationserfolge sowie Fortschritte sehen, beeindruckt das und wird als Beispiel aufgenommen.

Die Hauptamtlerin und der Hauptamtler sind sehr wichtig für die Integrationsarbeit, aber erst durch das Ehrenamt erlangt der Integrationsfortschritt eine andere Dimension. Herzlichen Dank an dieser Stelle an alle, die ab 2015 in der Geflüchtetenarbeit ehrenamtlich Aktivitäten aufgenommen haben.

 

Danke an Mesut Mutlu fürs Gespräch!

 

Ein Interview von Andrea Lauer 


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